ImagineGEO im Gespräch mit Claire Tinel, CNES-Vertreterin der Charta

Claire Tinel
CNES ist stolz auf den Erfolg der Charta und investiert viel Energie in die kontinuierliche Verbesserung der Dienste, von denen die ganze Welt profitiert

1. Welche Aufgabe hat die Internationale Charta?

Die Internationale Charta für Weltraum und Naturkatastrophen stellt Sicherheits- und Zivilschutzorganisationen, die für die Bewältigung der Folgen von Bedrohungen und Naturkatastrophen in ihrem Land verantwortlich sind, schnell und kurzfristig weltraumgestützte Informationen kostenlos zur Verfügung.

Insbesondere greift die Charta bei Natur- und Industriekatastrophen mit schweren Personen- und Sachschäden. Ziel ist es, von Katastrophen betroffenen Ländern und ihren Einsatzkräften möglichst aktuelle und relevante Informationen bereitzustellen. Die Charta wurde seit ihrer Gründung 479 Mal aktiviert. Die Hälfte aller Länder dieser Erde hat davon profitiert. Das will was heißen!

2. Was ist der Vorteil von Satelliten gegenüber anderen Sensoren?

Erdbeben, Wirbelstürme, Überschwemmungen, Vulkanausbrüche, Erdrutsche, Industrieunfälle, Ölkatastrophen ... es gibt viele unterschiedliche Katastrophenarten, deretwegen die Länder die Charta aktivieren. Entsprechend vielfältig sind die Prioritäten und erforderlichen Auflösungen. Bei einem Erdbeben sind extrem hochauflösende Bilder gefragt. Bei der Schärfe der Pléiades-Produkte mit einer Auflösung von 50 cm kann man zum Beispiel erkennen, welche Infrastrukturen betroffen sind. Bei Flutkatastrophen wird man auf Radarbilder zurückgreifen, die unabhängig von Wolken und Regen die Überschwemmungsgebiete in großem Maßstab darstellen können. Für den Gesamtüberblick über großflächige Schadensgebiete werden aber auch hochauflösende optische Informationen bestellt.

Häufig erfüllt bereits Pléiades die Anforderungen der Charta. Die Konstellation kann in kürzester Zeit Daten erfassen und liefern. Kein Platz der Erde entgeht den Satelliten, die jeden Punkt täglich ablichten können. So können sie dazu eingesetzt werden, Überschwemmungen, Stadt- oder Küstengebiete, die von Wirbelstürmen zerstört wurden, zu erfassen. 2015 nutzten 53 der 142 bis heute ausgearbeiteten Produkte der Charta Pléiades-Bilder.

Die enorme Schwadbreite der Satelliten SPOT 6/7 ist besonders bei der Datensammlung hilfreich. Deshalb kommen sie vor allem dann zum Einsatz, wenn großflächige Gebiete abgetastet werden müssen, wie zum Beispiel bei Vulkanausbrüchen, Überschwemmungen oder auch Waldbränden.

Die Konstellation von Airbus Defence and Space – mit Pléiades und SPOT 6/7 – kam im Jahr 2015 bislang bei 29 von 35 Aktivierungen der Charta zum Zug. Eine beachtliche Leistung! Umso mehr, als sie alle Anforderungen erfolgreich erfüllte.

3. Wie versuchen die Mitglieder die Charta zu verbessern?

Alle Mitgliedstaaten wollen die Charta effizienter machen. CNES will den Prozess optimieren und die Bildbeschaffungskette von der Auftragserteilung des Satelliten bis zur Lieferung des Produkts an den Kunden vereinfachen, um die Zeitspanne zwischen Bilderfassung und Lieferung des Endprodukts zu verkürzen.

CNES ist stolz auf den Erfolg der Charta und investiert viel Energie in die kontinuierliche Verbesserung der Dienste, von denen die ganze Welt profitiert.

4. Welches der jüngsten Ereignisse, bei denen die Charta zum Einsatz kam, hat Sie persönlich am meisten bewegt?

Jede Katastrophe, die wir aus der Ferne erleben, macht betroffen. Bei dem Erdbeben in Nepal im April 2015 wurden einige erschütternde Bilder erfasst. Pléiades hat das betroffene Gebiet innerhalb von nur 24 Stunden nach dem Beben abgelichtet. SERTIT (Service Régional de Traitement d'Image et de Télédétection) verarbeitete die Pléiades-Bilddaten und lieferte innerhalb von sechs Stunden Karten zur Lage und Schadenssituation an die nepalesischen Behörden.

Wie Sie sehen können, haben die Aufnahmen von Pléiades vor und nach der Katastrophe nicht viel gemeinsam...

Marming, ein Dorf im Distrikt Sindhupalchok in der Verwaltungszone Bagmati in Nepal


Vorher, 4.12.2014

Nachher, 4.4.2015
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Aus Angst vor Nachbeben, bei denen die Häuser einstürzen könnten, zelten die Menschen in Privatgärten, Parks oder auf Brachland


Vorher, 4.12.2014

Nachher, 4.4.2015
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Kathmandu


Vorher, 2.11.2014

Nachher, 27.4.2015
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