Interview mit Sean O`Connor

Chefanalyst der Bildinterpretation bei IHS Jane’s
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Sean O`Connor, Chefanalyst der Bildinterpretation bei IHS Jane’s, erklärt, wie Satellitenbilder wertvolle Erkenntnisse für die Verteidigung und Sicherheit liefern.


Als Chefanalyst für Verteidigung und Sicherheit in Luft- und Raumfahrt bei IHS Jane‘s, arbeitet Sean O’Connor vor allem in der Bildanalyse, meistens für die Satellitenbilder von Jane´s, bei denen man auf drei verschiedene Arten Analysen durchführt: 1. Analyse der Anlage, 2. Analyse des Events, 3. Analyse des Themas

1. Wie verwenden Sie die Satellitenbilder von Airbus Defence and Space für die IHS Jane‘s Veröffentlichungen? 

ir haben sehr stark Bilder von Airbus Defence and Space aus dem vergangenen Jahr benutzt und sie für drei unserer wichtigsten Produkte in Defence Weekly, Intelligence Review und für die meisten unserer Satellitenbilder-Analyseprodukte verwendet. Wir nutzen Airbus Defence and Space Daten vor allem, weil es sehr einfach ist und wir direkt mit dem Anbieter verhandeln können.
Derzeit verwenden wir etwa 95% optische Bilder, weil es dadurch für unsere Kunden einfacher nachzuvollziehen ist, was wir zeigen wollen, und auch leichter zu verstehen. Radarbilder verwenden wir immer dann, wenn wir einen Vorgang beobachten, optische Bilder aber nicht möglich sind, z.B. aufgrund starker Bewölkung. In diesen Fällen können Radarbilder die benötigten Informationen liefern. Letztes Jahr zum Beispiel haben wir eine Beobachtungsanalyse zur Erweiterung einer Anlage zur Herstellung von Interkontinentalraketen in Süd-Russland gezeigt, wo man mittels der Radarbilder und automatisierten Änderungserkennung die Veränderungen sehr gut erkennen konnte.

2. Was sind die wichtigsten Themen aus dem Verteidigungssektor, an denen Sie gerade arbeiten? Wie kann Airbus Defence and Space diese Aktivitäten unterstützen – oder tut es vielleicht schon?

Zur Zeit konzentrieren wir uns stark auf das südchinesische Meer und die Insel-Formierungsprozesse, die derzeit stattfinden. Wir beobachten des Weiteren Entwicklungen in verschiedenen Ländern wie Iran, Pakistan, Indien und Nordkorea. Wir beobachten alles, was in Zusammenhang mit nuklearer Technik steht, beispielsweise den Ausbau der Infrastruktur in der Kernanlage Yongbyong.


Außerdem erfassen wir die Vorgänge beim chinesischen und russischen Militär und beobachten die Krise in der Ukraine. In Bezug auf das russische Militär verfolgen wir gerade sehr aktiv die Entwicklung von Stealth-Radarsystemen mit großer Wellenlänge zur Ausweitung des Luftabwehrnetzes. Zuletzt haben wir mithilfe von Airbus Defence and Space den Flughafen von Sanaa, der Hauptstadt des Jemen, beobachtet. Es ging um Bilder, die die Ausmaße der saudi-arabischen Luftangriffe zeigen, die in Rebellengebieten außerhalb der Hauptstadt stattfanden.

3. Sie benutzen den GeoStore von Airbus Defence and Space, um auf Bilder zuzugreifen. Wie sind Ihre Erfahrungen mit diesem Portal? Wie unterstützt es Ihre täglichen Aktivitäten? 

Der Airbus Defence and Space GeoStore ist das komfortabelste Tool, das ich je benutzt habe, um Zugang zu kommerziellen Satellitenbildern zu erhalten und diese zu erwerben. Es ist sehr bedienerfreundlich, sehr intuitiv. Sie können ein Shapefile oder eine .KML-Datei hochladen, was es sehr einfach macht, verfügbares Bildmaterial zu finden. Die verschiedenen Such- und Filterfunktionen (z.B. auf Grundlage von Sensoren, Auflösung, Bewölkungsgrad) bieten schnellen Zugriff auf die richtigen Daten. Die Tatsache, dass wir direkt mit dem Anbieter verhandeln, ist ein weiterer Vorteil für uns und für jeden anderen kommerziellen Kunden, denn man umgeht den Weg über mehrere Verhandlungspartner. Es verkürzt deutlich die Erwerbs- und die Datenzugriffszeit, was natürlich die Arbeit von IHS Jane`s vereinfacht.

4. Gibt es eine Garantie, dass Sie regelmäßig Aufnahmen Ihrer Interessengebiete erhalten? 

Die meisten Bilder, die wir benutzen, stammen aus den umfangreichen Archiven von Airbus Defence and Space, insbesondere von den Pléiades Satelliten, die wir aufgrund der sehr hohen Datenauflösung gerne verwenden.
Airbus Defence and Space hat seine Satelliten programmiert, regelmäßig Aufnahmen der weltweiten Hot-Spot-Gebiete zu erfassen, was bedeutet, dass wir meistens auch das finden, was wir brauchen, weil es in den Archiven schon vorhanden ist.
Wenn wir etwas suchen, das noch nicht erfasst wurde, sprechen wir mit Airbus Defence and Space und geben ein Bild von der gewünschten Region in Auftrag. Darüber hinaus nutzen wir den GO Monitor Service, um wiederholt Aufnahmen von bestimmten Bereichen zu erhalten.
Außerdem werden wir von Airbus Defence and Space benachrichtigt, wenn es etwas gibt, das von Interesse für uns sein könnte. Zum Beispiel wurde ich gestern informiert, dass der Satellit heute morgen über Sanaa, Jemen, eine neue Aufnahme macht, was natürlich von großem Interesse für uns ist. Wir konnten die erworbenen Bilder heute vormittag direkt sichten.

5. Was würden Sie als größte Herausforderungen für die Analyse von Satellitenbildern in den kommenden Jahren sehen?

Das ist eine schwierige Frage. Eine der Herausforderungen der nächsten Jahre wird sein, in Zielstaaten wie Iran oder Nordkorea deren Einsatz zu erkennen, anspruchsvollere “Leugnung und Täuschungs”-Mechanismen zu entwickeln, die im Wesentlichen versuchen, Aktivitäten vor Satellitenbeobachtungen zu verbergen.
Bisher wurden nur wenige militärische Satelliten für die Beobachtung genutzt, aber inzwischen sind zunehmend Datensammlungen auch über kommerzielle Sensoren möglich und für jeden zugänglich und verfügbar, sodass diese Staaten vermutlich versuchen werden, ihre Aktivitäten auf erfolgreichere Weise zu verbergen.
Außerdem besteht immer die Möglichkeit, dass mit der zunehmenden Verfügbarkeit und Auflösung von Satellitenbildern, Regierungen und Institutionen entscheiden könnten, zu einem Zeitpunkt von vor 5-10 Jahren zurückzukehren, an dem die Informationsbeschaffung restriktiver erfolgte. Käme das so, wäre das natürlich ein wesentlicher Nachteil für ein Unternehmen wie IHS Jane’s, das Satellitenbilder kommerziell analysiert.

Interview mit Sean O`Connor, Chefanalyst der Bildinterpretation bei IHS Jane’s