Laufende Missionen bilden eine Konstellation

Neue Radarsatelliten-Konstellation optimiert die Abdeckung und Verfügbarkeit
TerraSAR-X & PAZ Constellation

Der deutsche Teil von Astrium GEO-Information Services, Infoterra GmbH, und Hisdesat, Satellitenbetreiber der spanischen Regierung, haben eine Rahmenvereinbarung über ein gemeinsames Technologieentwicklungsprojekt unterzeichnet, um eine Konstellation der Radarsatelliten TerraSAR-X und PAZ aufzubauen und zu betreiben.

Der deutsche Satellit TerraSAR-X wurde im Jahr 2007 gestartet und liefert zuverlässig Radardaten in hoher Auflösung für vielfältige Anwendungen an Kunden weltweit. PAZ ist der erste spanische Radarsatellit, der in Form einer Dual-Use-Mission entwickelt wurde - vorrangig, um die Verteidigungs- und Sicherheitsbedürfnisse des Landes zu erfüllen, jedoch auch für zivile Anwendungen im Bereich der hochauflösenden Erdbeobachtung. Der Start von PAZ in eine polare Umlaufbahn ist für das erste Halbjahr 2013 geplant. Die Umlaufbahn von PAZ wird speziell dafür optimiert, die zeitliche Auflösung über den Hauptinteressengebieten zu erhöhen, wenn TerraSAR-X und PAZ in Form einer Konstellation genutzt werden.

Koordination der beiden Missionen

Die Vereinbarung zwischen Astrium und Hisdesat sieht die gemeinsame Entwicklung und Koordination ihrer Weltraum-, Boden- und Dienstleistungssegmente vor. Die beiden Satellitenbetreiber werden Schnittstellen einrichten, die ihnen einen Systemüberblick über die Programmierpläne der Satelliten ermöglichen und die Abläufe der Datenanforderung und -lieferung vereinfachen. Die Betreiber der entsprechenden Systeme werden weiterhin die volle Kontrolle über ihre Satelliten behalten und zugleich in der Lage sein, die Erfassungsplanung und die Satellitenprogrammierung besser zu koordinieren.

Die Kooperation beinhaltet die Entwicklung eines abgestimmten Programmierungsansatzes für die zwei Missionen, einen harmonisierten Betrieb des Bodensegments, einen integrierten Prozessor für beide Satelliten sowie koordinierte Anforderungs- und Lieferschnittstellen. Darüber hinaus ist im Rahmen der Vereinbarung eine gemeinsame Vermarktung der Produkte und Dienstleistungen vorgesehen, die mit der geplanten Konstellation verfügbar sein werden.

Verbesserte Erfassungs- und Neuerfassungsmöglichkeiten

Durch den Betrieb der beiden praktisch identischen Satelliten können Astrium und Hisdesat das Kapazitätsmanagement ihrer Systeme effizienter und flexibler gestalten. Beide Unternehmen werden in der Lage sein, ihren Kunden und Partnern mehr Leistung und höhere Servicequalität anzubieten. Zu den Hauptvorteilen der TerraSAR-X / PAZ-Konstellation zählen:

  • Optimierte Neuerfassungszeit
  • Höhere Datenerfassungskapazität
  • Höhere Zuverlässigkeit der Serviceleistungen

Die optimierte Neuerfassungszeit und -kapazität wird die Reaktionsfähigkeit erhöhen und die Möglichkeiten der Erfassung weltweit steigern. Die Konstellation ermöglicht verbesserte InSAR-Fähigkeiten und so eine präzisere Überwachung und Erkennung schneller Bodenbewegungen zulassen.
Darüber hinaus werden die Systemredundanz und die Systemsicherung für beide Satelliten im Fall von Wartungsarbeiten optimiert.

Erweiterte Einsatzmöglichkeiten

Die geplante Konstellation wird für zahlreiche zeitkritische und datenintensive Anwendungen von Nutzen sein. Die neue TerraSAR-X / PAZ-Konstellation wird die zuverlässige und schnelle Erkennung und Überwachung von Änderungen unterstützen:

  • Bei Verteidigungs- und Sicherheitseinsätzen erhält die Einsatzleitung fundierte Informationen und kann so schnell auf neue Entwicklungen reagieren. Einsätze weltweit profitieren von kürzeren Vorlaufzeiten und einer zuverlässigen schnelleren Abdeckung kritischer Interessengebiete und Krisenherde.
  • Das Bodenbewegungsmonitoring, das bereits heute mit hochpräzisen TerraSAR-X Daten durchgeführt wird, kann dank der verbesserten Neuerfassung weiter optimiert werden. Dies ermöglicht es Bau- und Bergbauunternehmen, ihre Arbeiten effektiv zu überwachen und zu leiten und Sach- und Personenschäden zu vermeiden.
  • Bessere Neuerfassungszeiten und Erfassungskapazitäten unterstützen Anwendungen in der Meeresüberwachung, darunter die Schiffserkennung, das Monitoring von Ölverschmutzungen und die Meereisbeobachtung.
  • Dank des einfachen Zugang auf die Daten beider hoch auflösender Radarsatelliten stehen für humanitäre Organisationen sowie für Kriseninterventionen schneller und sicherer Informationen über die betroffenen Gebiete bereit, um Hilfsaktivitäten effizient koordinieren und verwalten zu können.

PAZ

Spanish radar satellite PAZ

Der spanische Radarsatellit PAZ im All
© Hisdesat

Der Satellit PAZ (spanisch für „Frieden“) wird Anfang des Jahres 2013 in denselben Orbit wie TerraSAR-X und TanDEM-X starten. PAZ wurde als Dual-Use-Mission entwickelt - vorrangig, um die Verteidigungs- und Sicherheitsbedürfnisse zu erfüllen, jedoch auch für zivile Anwendungen im Bereich der hochauflösenden Erdbeobachtung.

PAZ ist baugleich mit TerraSAR-X und wurde ebenfalls am deutschen Astrium-Standort Friedrichshafen gebaut. Die Radarinstrumente sind von Astrium am Standort Barajas entwickelt und gebaut worden. Eigner und Betreiber von PAZ wird das Unternehmen Hisdesat sein, das auch Inhaber der kommerziellen Nutzungsrechte für die Mission ist. Das spanische Institut für Luft- und Raumfahrt (INTA) wurde mit der Entwicklung und dem Betrieb des Bodensegments für den Satelliten beauftragt.

PAZ, Spaniens erster Radarsatellit, wurde vom spanischen Verteidigungsministerium und dem Ministerium für Industrie, Handel und Tourismus im Rahmen des nationalen Erdbeobachtungsprogramms (PNOT) entwickelt und gebaut. Der zweite Satellit dieses Programms ist INGENIO, ein optischer Satellit, der vornehmlich für Fernerkung zu zivilen Zwecken eingesetzt werden soll. Durch das Programm wird Spanien mit einer vollständig unabhängigen Erdbeobachtungskapazitäten ausgestattet.

TerraSAR-X

TerraSAR-X in Space 2

TerraSAR-X im All

Der TerraSAR-X Erdbeobachtungssatellit wurde als gemeinsames Projekt im Rahmen einer Öffentlich-Privaten Partnerschaft zwischen dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der EADS Astrium GmbH entwickelt.

Im DLR ist ein Team aus vier Instituten für die Umsetzung der Mission in Zusammenarbeit mit der Raumfahrtagentur zuständig. Die EADS Astrium GmbH übernahm die Entwicklung, die Konstruktion und den Start des Satelliten, während die Infoterra GmbH, Anbieter von Geoinformationsdienstleistungen und Tochtergesellschaft von Astrium, die exklusiven kommerziellen Nutzungsrechte besitzt.

TerraSAR-X wurde Mitte des Jahres 2007 gestartet und ist seit Januar 2008 in Betrieb. Seit Juni 2010 umkreist auch sein Zwillingssatellit TanDEM-X die Erde. In dieser Konstellation erfassen die beiden Satelliten Daten für ein globales Höhenmodell.

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